eine Richtungswahl soll diese Bundestagswahl angeblich gewesen sein. So zumindest wollte Armin Laschet sie gesehen wissen. Eine Richtungswahl war sie wohl nicht, wohl aber eine Generationenwahl. Schon vor der Abstimmung hatten viele junge Leute Christian Lindner zu ihrem Idol erkoren. Viele Kinder betrieben herzhaften Wahlkampf fĂŒr die FDP in den Reihen ihrer eigenen Familien – sehr zur Verwunderung der Erwachsenen. In meiner Jugend wĂ€re das nicht möglich gewesen, ohne als „Popper“ geĂ€chtet zu werden. Heute ist das anders. Heute hĂ€ngt man sich Christian Lindner-Poster ins Jugendzimmer und wirkt auch noch cool dabei. Mein Sohn Caspar (17) berichtet:
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30.09.2021
Tech Briefing Aufmacher 29.09.
© Die neue Bundesregierung steht vor einem Berg ungelöster Aufgaben. Worauf sollte sie sich konzentrieren?
Guten Morgen Stefan Pfeiffer,

eine Richtungswahl soll diese Bundestagswahl angeblich gewesen sein. So zumindest wollte Armin Laschet sie gesehen wissen. Eine Richtungswahl war sie wohl nicht, wohl aber eine Generationenwahl.

Schon vor der Abstimmung hatten viele junge Leute Christian Lindner zu ihrem Idol erkoren. Viele Kinder betrieben herzhaften Wahlkampf fĂŒr die FDP in den Reihen ihrer eigenen Familien – sehr zur Verwunderung der Erwachsenen. In meiner Jugend wĂ€re das nicht möglich gewesen, ohne als „Popper“ geĂ€chtet zu werden. Heute ist das anders. Heute hĂ€ngt man sich Christian Lindner-Poster ins Jugendzimmer und wirkt auch noch cool dabei. Mein Sohn Caspar (17) berichtet:

  In meiner Altersgruppe hat Christian Lindner Star-Status erlangt. Er ist zur Kultfigur geworden. “
Christian Lindner
Jugendidol Christian Lindner: Vorbild einer neuen Generation von WÀhlern © Christophe Gateau / DPA

Anekdotische Evidenz? Mehr als das. Belastbare Daten zeigen: SPD und CDU sind die Parteien der Alten, FDP und GrĂŒne die Parteien der Jungen. Dass Christian Lindner und Annalena Baerbock samt Anhang nicht die stĂ€rksten KrĂ€fte wurden, liegt einzig und alleine daran, dass meine Generation zu wenige Kinder in die Welt gesetzt hat. HĂ€tte die Jugend die Mehrheit, sĂ€ĂŸe die Jugend demnĂ€chst im Kanzleramt. Fortpflanzungs-Verweigerung als Strategie zum Machterhalt der Ă€lteren Generation sozusagen.

Annalena Baerbock und Robert Habeck
Polit-Paar Annalena Baerbock und Robert Habeck: Protagonisten einer besseren Welt © picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Schauen wir auf die Zahlen von Infratest dimap, wie sie von der ARD veröffentlicht wurden:

 
Die wahre politische Grenze verlÀuft zwischen Jung und Alt
Verhalten bei der Bundestagswahl nach Altersgruppen unter 25 (links) und ĂŒber 70 Jahren (rechts), in Prozent
Wahlverhalten U25 und Ü70
Infratest dimap, ARD
 

Links stehen die Wahlergebnisse der Menschen unter 25 Jahren, rechts die der WĂ€hlerinnen und WĂ€hler ĂŒber 70. GrĂŒne und FDP sind die Volksparteien der Jungen, Union und SPD die Volksparteien der Alten. Bei wem die politische Zukunft liegt, bedarf keiner besonderen prognostischen FĂ€higkeiten.

Nicht weniger aufschlussreich sind die politischen Ansichten von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern. Die Initiative Juniorwahl lĂ€sst Schulen kurz vor der Erwachsenen-Wahl zur Urne schreiten – freiwillig, geheim und anonymisiert natĂŒrlich, genauso wie bei den Erwachsenen. Hier der Wahlausgang:

 
Wenn Kinder wÀhlen könnten
Ergebnisse der Juniorwahl 2021, Bundestagswahl Zweitstimmen mit Gewinnen und Verlusten zu 2017
Juniorwahl - Wenn Kinder wÀhlen könnten
Juniorwahl
 

Die GrĂŒnen sind in Schulen stĂ€rker als die SPD, und die Liberalen stĂ€rker als die Union. Das kann auf Dauer nichts Gutes fĂŒr die Etablierten heißen. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass junge WĂ€hler meistens extremer denken als Erwachsene. Sie sortieren sich auch jetzt schon in ihre jeweiligen Lager ein. Bloß dass diese Lager jetzt gelb und grĂŒn statt rot und schwarz sind.

Gerade weil in Deutschland bei der Wahl so viel auf dem Spiel stand und weil sie erkennbar so knapp ausfallen wĂŒrde, zog das Ereignis massive internationale Aufmerksamkeit auf sich. Hier die App-Aufmacherseiten der New York Times und Washington Post vom Sonntagmorgen:

Berichte ĂŒber die Bundestagswahl in der New York Times und Washington Post
© New York Times und Washington Post

Beide Leitmedien kannten kein wichtigeres Thema als die Wahl in Deutschland. Vorbei sind die Zeiten, in denen deutsche Politik nur Germanisten an den Uni-LehrstĂŒhlen interessierte. Heutzutage bewegen unsere innerdeutschen Familienangelegenheiten Millionen Menschen auf der ganzen Welt.

Warum ist das internationale Interesse so groß? Weil so viel von dieser Wahl abhĂ€ngt. Schauen wir uns fĂŒnf Themen an, die fĂŒr Deutschland als Schwungrad, Hauptfinanzier und Gewichtsriese Europas besonders schwerwiegend sind.

Wie auch immer die neue Bundesregierung nach den Koalitionsverhandlungen aussieht, sie hat viel zu tun. US-PrĂ€sident Joe Biden hat ein neues Zeitalter der Infrastruktur eingelĂ€utet – ein „Age of Infrastructure”. Große PrĂ€sidenten wie Franklin D. Roosevelt lebten es ihm vor. Deutschland braucht genau die gleiche Medizin: die Erneuerung seiner technischen Lebensgrundlagen von unten bis nach oben.

1. Glasfaserausbau

Die meisten deutschen Haushalte sind noch immer ĂŒber Telefonleitungen, also Kupferkabel oder Fernsehkabel, an das Internet angeschlossen – mit erbarmungswĂŒrdigen Übertragungsraten. Der Youtube-Channel Simplicissimus von Funk bringt es auf den Punkt:

  Die deutsche Breitband-Infrastruktur ist der Berliner Flughafen des Internets. “

Lange Zeit wurde in Deutschland darauf gesetzt, die bestehende Infrastruktur aufzurĂŒsten, ohne Glasfaser bis in die GebĂ€ude zu verlegen. Das Problem ist die letzte Meile. Glasfaserkabel reichen bis zum Verteilerkasten. Dahinter kommt nur noch Steinzeit-Kupfer. Factoring war ein Irrweg. Es kitzelt ein bisschen mehr Bandbreite heraus, reicht aber vorne und hinten nicht.

 
Lange Leitung, langsames Netz
Anteil von GlasfaseranschlĂŒssen an allen stationĂ€ren BreitbandanschlĂŒssen in den LĂ€ndern der OECD im Dezember 2020
Schnelles Internet in Deutschland
 

Die neue Regierung muss schleunigst schnellere Netze schaffen – vorzugsweise mit marktwirtschaftlichen Mitteln.

2. HochgeschwindigkeitszĂŒge

Unsere ZĂŒge sind zu langsam. Wir zuckeln, wĂ€hrend andere rasen. Japans Shinkansen ging bereits in den 1960er in Betrieb. FĂŒr die 515 Kilometer von Tokio nach Osaka brauchen die Japaner 2 Stunden und 25 Minuten. In Deutschland dauert es selbst mit dem ICE doppelt so lang.

 
Das Bahnland Deutschland ist weit abgehÀngt
Hochgeschwindigkeitsnetze (ĂŒber 200km/h) im internationalen Vergleich
Hochgeschwindigkeitsnetze (ĂŒber 200km/h) im internationalen Vergleich
UIC
 

In Spanien steht das zweitgrĂ¶ĂŸte Highspeed-Netz der Welt. 630 Kilometer von Madrid nach Barcelona kosten nur drei Stunden Zeit. Frankreichs TGV schafft die 765 Kilometer von Paris von Marseille in drei Stunden und zehn Minuten. In Deutschland sind etwa zwei Stunden mehr fĂ€llig.

Wie auch der neue Verkehrsminister oder die neue Verkehrsministerin heißt: Ihm oder ihr kommt zu, sich aus dem Klein-Klein-Flickwerk der Gegenwart zu befreien, und stattdessen ehrgeizige PlĂ€ne aufzulegen. Einfach zu sagen: „Mehr Verkehr auf die Schiene” – das reicht nicht mehr. Es gilt, das altersschwache, konzeptionell ĂŒberholte Konzept zu renovieren. Ohne dezidierte Trassen fĂŒr eine neue Generation von SchnellzĂŒgen wird es nicht gehen.

3. E-Ladestationen

Das Henne-Ei-Problem kommt seiner Lösung endlich nĂ€her. Plötzlich boomt der Markt fĂŒr Elektroautos, doch jetzt fehlen die Ladestationen.

 
Saftmangel als Prinzip: Deutschlands SchwÀche beim Laden
Anzahl der Stationen je 100 Streckenkilometer im Vergleich 2020
Anzahl der Stationen ja 100 Streckenkilometer im Vergleich 2020
KBA, VDA, EAFO
 

Die Niederlande verfĂŒgten ĂŒber 3,53 Ladestationen fĂŒr Elektroautos pro 1.000 Einwohner. In Deutschland sind es nur 0,53. 2020 gab es in Deutschland durchschnittlich rund 2,2 Ladestationen fĂŒr Elektroautos je 100 Kilometer Straße.

ErbarmungswĂŒrdig wenig verglichen mit den 15,2 Ladepunkten je 100 Kilometer Straße in SĂŒdkorea.

Die Elektro-Revolution auf den Straßen hat begonnen. Doch jetzt geht ihr der Saft aus. Es besteht höchster Handlungsbedarf fĂŒr die neue Regierung in enger Abstimmung mit LĂ€ndern und Kommunen.

Podcast-Kachel Infrastruktur Deutschland
    Tech Briefing  
 von 
  Christoph Keese    
  Lena Waltle    
Age of Infrastructure: Was die neue Regierung tun muss
Im Female Founders Interview: Oviavo-GrĂŒnderin Jenny Saft ĂŒber Familien-Anreize von Arbeitgebern
Podcast hören
34:40 vom 30.09.2021

Warum stimmen so viele junge Leute fĂŒr FDP und GrĂŒne? Weil sie möchten, dass Bewegung ins Land kommt. Angela Merkel konnte Krise. Sie verĂ€nderte die Gesellschaft. Doch Modernisierung von Infrastruktur, Technik und Verwaltung fielen ihr herunter wie eine Masche beim Stricken. Diese Themen interessierten sie nicht. Eine neue Generation gibt sich damit nicht mehr zufrieden.

Im Tech Briefing Podcast beschÀftigen wir uns heute zusÀtzlich noch mit dem intelligenten Ausbau der Autobahnen und dem Ranking internationaler Top-UniversitÀten. Auch hier liegt vieles im Argen. Klicken Sie bitte hier, um sich das anzuhören.

Tech Briefing Input

Zu Gast im Interview der Female Founders Edition ist diese Woche Jenny Saft, GrĂŒnderin von Oviavo. Sie spricht mit Tech Briefing Co-Host Lina Behrens, Managing Director von Flying Health. Lina moderiert die monatliche Female Founders Edition im Wechsel mit Gesa Miczaika.

Jenny Safts Startup befeuert einen Trend, der in immer mehr Firmen um sich greift: Familienplanung zum Gegenstand von Personalarbeit zu machen. Warum – so die Grundidee – Frauen mit existenziellen Fragen wie Kinderplanung alleine lassen? Weshalb als Unternehmen jungen Paaren nicht hilfreich an der Seite stehen?

Podcast-Kachel Jenny Saft
Klicken Sie auf das Bild, um den Podcast zu hören.

Man spricht von „Family und Fertility Benefits“. Vor einem Jahrzehnt wĂ€re es noch undenkbar gewesen, dass Arbeitgeber sich auf derart intimes Gebiet vorwagen. Heute hingegen gewinnen solche Anreizsysteme Bedeutung als Argument zum Gewinnen und Binden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Jenny Saft meint:

  Vor allem US-Tech-Unternehmen nutzen die Ressource Mensch und ĂŒbernehmen Verantwortung. “

Oviavo unterstĂŒtzt seine Klientel durch Beratung und Betreuung in allen Phasen der Familienplanung. Dazu gehört auch das sogenannte Social Freezing. Damit ist nichts anderes gemeint als das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen. Zum Angebot gehören auch kĂŒnstliche Befruchtung, Adoption und Leihmutterschaft.

  Langfristig wird ein Großteil der Bevölkerung Reproduktionsmedizin nutzen mĂŒssen. “

Bereits die HĂ€lfte der großen US-Unternehmen bieten daher Fertility Benefits in irgendeiner Form. Da liegt es nahe, dass sich Unternehmen auch in Deutschland fragen mĂŒssen, was sie im War for Talent noch anbieten können, um den steigenden AnsprĂŒchen gerecht zu werden. Was frĂŒher Massenarbeitslosigkeit war, ist heute die Jobschwemme. Die Alterspyramide steht auf der Spitze. So bleibt den vielen Alten wenig anderes ĂŒbrig als den wenigen Jungen immer mehr Honig auf dem Weg ins Unternehmen auszulegen.

Auf einen vernĂŒnftigen Frauenanteil, glaubt Jenny Saft, werden Unternehmen nicht allein dadurch kommen, dass man sie gesetzlich dazu zwingt. Sondern vor allem dadurch, dass sich Firmen in die Lage ihrer Leute hineinversetzen und Angebote schaffen, die wirklich helfen. Strukturen und gesellschaftliches Bewusstsein verĂ€ndern – darauf kommt es an. Das Interview mit Jenny Saft hören Sie hier im Tech Briefing Podcast.

Tech Briefing Prozessor

1. „Danke fĂŒr die harte Arbeit” und „Muttis letzte Fahrt”: Angela Merkel reĂŒssiert als Werbefigur der Tech-Branche

Angela Merkel auf einem Werbeplakat von Stepstone
Kompliment per Stepstone-Plakat: DarĂŒber freut sie sich richtig © Eduard S. Dotsche via Twitter

„Never waste a good crisis”, hat Winston Churchill so schön gesagt und damit der ganzen Tech-Branche ein Lebensmotto beschert. In der Endphase der Bundestagswahl lebte der Satz in einer schönen Iteration auf: „Never waste the end of an era”. Stellen-Plattform Stepstone plakatierte großflĂ€chige Jobangebote fĂŒr das Spitzenpersonal der Bundespolitik, allen voran fĂŒr die Rentnerin-in-spe Angela Merkel. Ob UNO-GeneralsekretĂ€rin oder EU-KommissionsprĂ€sidentin wohl bei Stepstone ausgeschrieben werden? Auszuschließen ist das nicht.

Emmy Roller Werbung
© Emmy Roller

Noch frecher ging der Roller-Service Emmy zu Werke. Wer am Sonntag die App zum Roller-Leihen öffnete, fand dort eine Rabatt-Aktion unter dem Namen „Muttis letzte Fahrt”. Ein Berliner Roller hört auf den Namen Angela M., und wer ihn ergatterte, bekam 16 Freiminuten gutgeschrieben. Auf wessen Kosten? Daran ließ Emmy keinen Zweifel: Die gehen auf „Muttis Nacken”.

2. „Das Silicon Valley hat seinen Höhepunkt ĂŒberschritten”: Wise-GrĂŒnder Taavet Hinrikus will Europa zu neuem Glanz fĂŒhren

Taavet Hinrikus
DoppelgrĂŒnder Taavet Hinrikus: Ein HĂ€ndchen fĂŒr Unicorns © Transferwise

Was GrĂŒnder Taavet Hinrikus in seinen 40 Lebensjahren geschafft hat, ist nicht vielen Menschen vergönnt. Mit Skype und dem Zahlungsdienstleister Wise (frĂŒher TransferWise) hob er zwei Mega-Erfolge aus der Taufe. Einen Teil seiner Erlöse aus den AnteilsverkĂ€ufen stellt er nun in den Dienst der europĂ€ischen Startup-Szene. Das Silicon Valley hĂ€lt er fĂŒr ĂŒberhitzt, sozial gespalten und am Ende seiner Hochleistungsperiode. In rund 100 Startups hat Taavet Hinrikus laut Handelsblatt als Angel investiert. 80 davon sitzen in Europa.

Sein Beispiel zeigt einmal mehr, wie der Boom den Boom nĂ€hrt: Ein Teil des Geldes aus Tech-BörsengĂ€ngen und -VerkĂ€ufen fließt zurĂŒck in neue GrĂŒndungen und wird spĂ€ter weiter investiert. „Flying Wheel” heißt das in der blumigen Sprache der Startup-Branche.

3. Geld im Überfluss und Talent als Mangelware: Eine beispiellose Übernahmewelle erfasst Big Technology

An dieser Stelle sei einmal erwĂ€hnt: Es lohnt sich immer, das Handelsblatt zu lesen. Fast jeden Tag erscheinen dort interessante Daten und Fakten aus dem Tech-Universum. (Nein, wir sind weder verwandt noch verschwĂ€gert. Wir lesen es nur gern.) Diese Woche ist dem Handelsblatt eine Studie der Wirtschaftsdatenfirma Refinitiv in die HĂ€nde gefallen. Sie weist statistisch nach, dass Big Technology derzeit einen beispiellosen Kaufrausch durchlebt. Der Wert aller Übernahmen liegt in diesem Jahr mit 878 Milliarden Dollar schon 144 Prozent ĂŒber dem vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Wahrscheinlich wird 2021 die Billionen-Grenze geknackt werden. Markante Transaktionen sind beispielsweise Nvidia / ARM, AMD / Xilinx, Cinven / Think Cell, SAP / Signavio und Salesforce / Slack.

 
Einkaufsrausch bei Big Technology
Wert aller Tech-Übernahmen in Mrd. US-Dollar
Wert aller Tech-Übernahmen in Mrd. US-Dollar
Handelsblatt, Refinitiv
 

4. Planet Lab flys Blue Origin: Satelliten ins Weltall zu schießen, ist aufregend. Selbst hinterher zu fliegen, noch aufregender

Chris Boshuizen und Glen de Vries
Chris Boshuizen (links) and Glen de Vries (rechts) © Blue Origin

Blue Origin, die Weltraum-Firma des Amazon-GrĂŒnders Jeff Bezos, hat ihren nĂ€chsten Flug angekĂŒndigt. Am Dienstag, 12. Oktober, startet die zweite zivil bemannte „New Shepard”-Mission seit dem Jungfernflug im Juli, an dem Jeff Bezos persönlich teilgenommen hatte. Mit an Bord werden diesmal Unternehmer sein, deren Firmen den Space-Boom maßgeblich mit anfeuern.

Chris Boshuizen war frĂŒher Ingenieur bei der NASA und grĂŒndete danach Planet Labs – jene inzwischen börsennotierte Firma, die mit einer eigenen Satelliten-Konstellation den grĂ¶ĂŸten Low-Orbit-Erdscanner der Welt betreibt. Mit dabei ist auch Glen de Vries, GrĂŒnder von Medidata Solutions und heute Vice Chair of Life Sciences and Healthcare bei Dassault SystĂšmes.

5. Aufgestiegen in die Oberliga der Massenmedien: TikTok knackt die Schwelle von einer Milliarde Nutzern.

TikTok-Star Charli D’Amelio
TikTok-Star Charli D’Amelio: In anderthalb Jahren auf 100 Millionen Follower © IMAGO / ZUMA Wire

TikTok, die besonders bei Jugendlichen beliebte Kurzvideo-Plattform, hat nach eigenem Bekunden die magische Schwelle von einer Milliarde Nutzerinnen und Nutzern ĂŒbersprungen. Drei Milliarden Apps liegen heruntergeladen auf den Smartphones dieser Welt. Im Laufe der vergangenen 12 Monate kamen 300 Millionen aktive monatliche User hinzu. Dieser Erfolg wurde in nur fĂŒnf Jahren erreicht.

VorlĂ€uferin Douyin wurde im September 2016 von Zhang Yiming, dem GrĂŒnder von ByteDance, erfunden. Zwischendurch hieß das Unternehmen musical.ly. Erst im August 2018 fand die NamensĂ€nderung zu TikTok statt. Welterfolge sind heute in kĂŒrzerer Zeit möglich als je zuvor in der Wirtschaftsgeschichte.

6. Technik fĂŒr den Handel erlebt einen ungeahnten Boom. Über 80 Milliarden Dollar fließen dieses Jahr in Retail Tech

Retail Tech in einer Illustration des Newsletter Retail Brew
Besser handeln mit Technologie: Retail Tech in einer Illustration des Newsletter Retail Brew © Francis Scialabba / Retail Brew

Groß- und Einzelhandel zĂ€hlen zu den umsatzstĂ€rksten Branchen der Welt. Zugleich aber sind sie auch geschlagen mit der weltgrĂ¶ĂŸten Ladehemmung in Sachen Digitalisierung. Seit Jahren wetteifern Bauindustrie und Handel um den letzten Platz bei der digitalen Transformation ihrer GeschĂ€ftsmodelle. In den Ohren von Venture Capital-Investoren ist das Musik, denn je weiter eine Branche zurĂŒckliegt, desto mehr gibt es aufzuholen.

Die Marktforscher von CB Insights haben jetzt errechnet, dass in diesem Jahr rund 80 Milliarden Dollar in Retail-Tech Investitionen fließen werden. Damit ist dies einer der heißesten Sektoren der Welt. Unter anderem hat CB Insights bemerkt, dass die ErwĂ€hnung der Schlagworte „Inflation” und „Retail” in den Quartals-Analysten-Calls börsennotierter Unternehmen um den Faktor 7 gegenĂŒber dem Vorjahr nach oben gesprungen sind. Der Handel muss riesige Herausforderungen bewĂ€ltigen: neue Kaufgewohnheiten, stockender Nachschub, steigende Preise, hohes Umlaufvermögen. Technologie kann dabei helfen, diese Probleme zu lösen. Deswegen gehen die Investitionen in Retail Tech steil nach oben.

7. Alexa lernt Gehen. Besser gesagt: Rollen. Amazon stellt mit „Astro” seinen ersten Haushaltsroboter vor

Amazons Haushaltsroboter Astro
Amazons Haushaltsroboter Astro: Was kann ich fĂŒr dich tun? © Amazon

Kein ZukunftsgemĂ€lde, kein Star Wars-Film, in dem keine Roboter vorkommen. In der real existierenden Welt spielen Roboter außerhalb von Fabriken bislang fast keine Rolle. Amazon wagt nun einen neuen Versuch, indem es Alexa, seiner elektronischen Helferin, RĂ€der verleiht. Bei seiner jĂ€hrlichen ProduktprĂ€sentation stellte der Konzern jetzt „Astro” vor. Das knuffig aussehende GerĂ€t rollt durch den Haushalt und soll ĂŒberall dort bereitstehen, wo Frauchen und Herrchen Befehle erteilen. Außerdem dient Astro als fahrende Alarmanlage und Babyphone. Eine Minimalausstattung an Funktionen also, der weitere jedoch folgen werden.

Alexa war bei ihrer EinfĂŒhrung verlacht und unterschĂ€tzt worden, mauserte sich dann aber bald zum Welterfolg. Klug könnte es daher fĂŒr jeden von uns sein, den Astro nicht als Spielzeug abzutun, sondern Anwendungen fĂŒr ihn zu programmieren.

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Tech Briefing Kachel Zitat Tisenkopfa-Iltnere
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Ottobock: Der Prothesenhersteller plant 103 Jahre nach der GrĂŒndung des Unternehmens einen Börsengang im FrĂŒhjahr 2022.

Volkswagen: Der Autobauer kĂŒndigt erneut Kurzarbeit aufgrund des Chipmangels an.

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Instagram: Mutterkonzern Facebook pausiert das Projekt "Instagram Kids" fĂŒr Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren.

Apple: Der Tech-Konzern verweigert dem Online-Spiel Fortnite im andauernden Rechtsstreit die erneute Aufnahme in seinen App Store.

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Interios: Das Supply-Chain-Startup aus den USA zeigt auf seiner Plattform an, wo Risiken fĂŒr Lieferungen bestehen.

Gridx: Der Energiekonzern Eon sichert sich die Mehrheit an dem Aachener Energie-Startup. Gridx entwickelt intelligente Stromnetze. Die GrĂŒnder David Balensiefen und Andreas Booke bleiben weiterhin als geschĂ€ftsfĂŒhrende Gesellschafter an Bord.

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Tech in Deutschland: Wohin steuern wir?
Christoph Keese diskutiert mit vier GĂ€sten ĂŒber den Tech-Standort Deutschland.
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37:51 vom 19.09.2021

Und das war es schon fĂŒr diese Woche. Ihnen einen starken, glĂŒcklichen Start in den Tag und in ein erfĂŒlltes Wochenende.

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